Die Geschichte der Tanzschule Fritsche

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Die Tanzschule Fritsche wurde am 01. Januar 1927 von Ruth Knoblauch in Cottbus gegründet. Sie war nach ihrer Ausbildung in Berlin selbständige Tanzlehrerin und es gelang ihr sich neben zwei weiteren Tanzschulen in Cottbus zu behaupten.

1936 heiratete Ruth Knoblauch den Handelsvertreter Fritz Fritsche. 1938 kam Sohn Dieter auf die Welt, der nach Schule und Ausbildung in einem anderen Beruf eine Ausbildung als Tanzlehrer absolvierte.

Nach dem Tod seiner Mutter übernahm er 1973 die Tanzschule, die er gemeinsam mit seiner Frau bis heute betreibt.

Die Tochter Cornelia hat ebenfalls eine Tanzlehrerausbildung absolviert. Sie war von Oktober 1994 bis Ende 2008 Teilhaber der Tanzschule und hat derzeit ihren Wirkungskreis nach Berlin verlegt.

Gründung und Wirkung von Ruth Fritsche geb. Knoblauch

1906 kam Ruth Knoblauch in Cottbus zur Welt. Nach der Schule wählte sie den Beruf der Tanzlehrerin. Die Ausbildung erfolgte damals in Berlin.

Am 01.01.1927 eröffnete Ruth Knoblauch ihre Tanzschule in Cottbus und wurde Mitglied im ADTV (Allgemeiner Deutscher Tanzlehrerverband). Die Ausbildung erfolgte damals stark im Ballettbereich, was auch choreografische Tätigkeit einschloss.

Um ins Geschäft zu kommen, wandte sie sich an Schulen und Vereine wie Casino- oder Wintergartenverein und an die Loge in Cottbus.

Sie studierte dort mit den Mitgliedern oder deren Kindern Tänze ein, die bei Veranstaltungen dieser Körperschaften aufgeführt wurden. Kostüme zu diesen Tänzen entwarf sie selbst und hatte auch Talent selbst zu schneidern. Ihr Bruder Richard unterstützte sie als ausgebildeter Dekorateur, in dem er die Veranstaltungsräume aufwändig dekorierte und ihr als Tanzpartner zur Verfügung stand.

1936 heiratete Sie den Kaufmann Fritz Fritsche. Zwei Jahre später, 1938, kam Sohn Dieter zur Welt.

1939 begann der 2. Weltkrieg. Fritz Fritsche wurde eingezogen und während des Krieges wurde Vergnügungsverbot verhängt, was auch Verbot des Tanzunterrichts einschloss.

Nach Kriegsende und mit der Rückkehr der Kriegsgefangenen entstand ein großer Bedarf an Vergnügung und damit auch an Tanzunterricht. Größte Säle wurden dazu genutzt und Ruth Fritsche unterrichtete ohne Mikrofon und mit einem Pianisten bis zu 100 Paare in den „Stadtsälen“. Auch die Abschlussbälle fanden dort statt. Später wurden andere Säle, die zur damaligen Zeit in Cottbus noch vorhanden waren für Unterricht und Veranstaltungen genutzt.

Beginn Dieter Fritsche, Erzsébet Fritsche

Zu den in der Nachkriegszeit stattfindenden Kursen in Cottbus nahm Mutter Ruth Fritsche den Sohn Dieter, damals 8 Jahre alt, mit zum Unterricht. Als sich die Berlin-Brandenburgischen Tanzlehrer etwa 1949 wieder zu Weiterbildungsveranstaltungen trafen, nahm ihn seine Mutter mit, und er begann, sich für den Beruf zu interessieren. Von der Cousine in Hamburg, die dort als Tanzlehrerin tätig war, bekam er das Buch „Ballroom Dancing“ von Alex Moore und erlernte danach und mit Unterstützung der Mutter Figuren, Tanzschritte und Bewegungsabläufe.

1954 starb Vater Fritz Fritsche und hinterließ einen PKW. Dieter Fritsche musste sofort mit einer Ausnahmeregelung zur Fahrschule, bestand 1955 im Februar seine Fahrerlaubnisprüfung und fuhr seine Mutter fortan zu den Tanzstunden in Cottbus und in anderen Orten (Spremberg, Lübbenau, Großräschen, ...). Damit wurden die Pianisten zum Unterricht überflüssig, weil dann schon Technik zur Verfügung stand, um Musik zu Unterricht darzubieten.

Nach dem 1956 die Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Lehrer für Gesellschaftstanz (ZAG) gegründet wurde, war es unter anderem möglich, wieder Nachwuchs im Tanzlehrerberuf auszubilden. So gab es 1959 einen Lehrgang in Jena, der zunächst mithelfende Familienangehörige weiterbilden sollte. An diesem Lehrgang nahm Dieter Fritsche teil und bestand am Ende die Prüfung zum Tanzlehrer-Assistenten.

Das im Lehrgang vermittelte Wissen wurde im weiteren Verlauf des Jahres erweitert und vertieft um so im folgenden Jahr 1960 bei einem weiteren längeren Lehrgang am 6. Februar die Prüfung zum Lehrer für Gesellschaftstanz abzulegen. Damit war er mit 21 Jahren für kurze Zeit der jüngste Tanzlehrer der DDR.

Seine jetzige Frau Erzsébet lernte Dieter Fritsche bei einem Urlaub 1958 in Ungarn kennen. Nach 10jähriger Brieffreundschaft und gegenseitigen Besuchen heirateten beide am 14. August 1968 in Budapest. Anfang November 1968 kam Erzsébet Fritsche nach Cottbus und nahm ab sofort am Tanzunterricht und am Tanztraining des damals bestehenden Tanzclubs teil. Als mithelfendes Familienmitglied konnte sie an den Fachtagungen teilnehmen und wurde dort von den Kollegen bedrängt, die Ausbildung zur Tanzlehrerin aufzunehmen. Die Ausbildung erfolgte dann bei der Tanzschule Graf in Dresden und wurde 1976 erfolgreich abgeschlossen.

In der Zusammenarbeit mit der Tanzschule der Mutter übernahm Dieter Fritsche nach bestandener Tanzlehrerprüfung zunächst die auswärtigen Kurse an Schulen und Kulturhäusern und führte diese neben seiner beruflichen Tätigkeit durch. Ruth Fritsche führte die Kurse in Cottbus und einigen Städten der Umgebung durch. Als sie erkrankte übernahm er auch ihre Kurse. Ruth Fritsche verstarb am 21. Juni 1972. Nach langem Kampf mit den Behörden konnte Dieter Fritsche ab dem 1. Januar 1973 die Tanzschule unter seinem Namen weiterführen.

Wendezeit und Neuanfang

Bis zur Wende besaßen nur wenige Tanzschulen in der DDR eigene feste Säle. So musste die Mehrzahl der Tanzlehrer fremde Räume für den Unterricht anmieten.

Das bedeutet jeden Tag im anderen Ort und in anderen Raum. Die Tanzlehrer betrachtete sich also als „Koffertanzlehrer“. So konnten meist nur Grundkurse vorzugsweise für Jugendliche, in den 80er Jahren auch für Erwachsene, in seltenen Fällen aus Fortschrittskurse durchgeführt werden.

Mit der Wende im Spätherbst 1989 nahm der ADTV alle Tanzlehrer der DDR in seine Reihen auf und erkannte deren Mitgliedschaft in der ZAG als solche im ADTV an. Dieter und Erzsébet Fritsche wurden also Mitglieder im Landesverband Berlin-Brandenburg, dem späteren Regionalverband Nord-Ost des ADTV.

Mit der Wende wurden die für den Tanzunterricht möglichen Säle immer weniger. Sie wurden zu Lagerzwecken genutzt, als Diskothek umgebaut oder abgerissen. Die Folge davon war, sich zu entscheiden, einen eigenen Saal anzumieten oder den Beruf aufzugeben. Dem Beispiel der Kollegen in den alten Bundesländern folgend mietete Dieter Fritsche einen Saal in der Stadtmitte an. Dieser Saal wurde auf die Belange einer Tanzschule auf eigene Kosten angepasst und hergerichtet.

Nach der Eingliederung der Tanzlehrer in den ADTV wurden in den Landesverbänden umfangreiche Schulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen durchgeführt. Damit war es möglich, das bisherige Unterrichtsangebot wesentlich zu erweitern. Die Kurse werden nach dem „Welttanzprogramm“ (WTP) durchgeführt, Kindertanz- ein Herzenswunsch von Erzsébet Fritsche, die in Ungarn eine Fachschulausbildung zur Kindergärtnerin absolviert hatte, wurde möglich. Sonder- oder Spezialkurse in Tänzen, die im WTP nicht enthalten sind, konnten durchgeführt werden. So reichte das Angebot vom Kindertanz bis zum Turniertanz.

Beginn Cornelia (Conny) Fritsche

Am 30. April 1974 kam Cornelia Fritsche zur Welt. Im Alter von 6 Jahren stellte man fest, dass sie musikalisch und rhythmisch sehr begabt war. So nahm sie 12 Jahre lang Klavierunterricht bis zum Abschluss der Oberstufe.

Am Beruf der Eltern stellte Sie fest, dass diese immer dann arbeiten, wenn andere Freizeit haben. So hat man in diesem Beruf kaum Feizeit bzw. Zeit für Familie und Freunde.

Nach dem Abschluss der Schule mit dem Abitur und den Gesprächen mit Freunden, deren Ausbildung im jeweiligen Wunschberuf abgelehnt wurde, kam sie nach zweitägiger Klausursitzung zu dem Schluss, dass ihre Wünsche mit Menschen zu arbeiten, organisatorische Tätigkeit auszuführen, die musikalischen Fähigkeiten in den Beruf einzubeziehen im Tanzlehrerberuf vereint sind. So begann sie 1992 eine 3jährige Ausbildung zur ADTV-Tanzlehrerin in Berlin als Azubi bei der Tanzschule Michael Merz am Kurfürstendamm und empfand, dass dies ihr Traumberuf ist. Die Prüfung zur ADTV-Tanzlehrerin bestand sie mit bestem Erfolg im Juni 1996. Da ihr Ausbildungslehrer schwer krank war, auch kurze Zeit später verstarb, blieb sie noch einige Zeit in dieser Tanzschule, bis sie nach Cottbus in die elterliche Tanzschule eintrat. Als ausgezeichnete Lehrerin brachte sie gute Ideen aus Berlin mit nach Cottbus, von denen einige nach den Gegebenheiten angepasst, Eingang fanden.

Um sich weiter zu entwickeln verlagerte Conny ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin, zog Ende 2008 dorthin und arbeitet dort als „Tanzmoderatorin“, mobile Tanzlehrerin und freie Mitarbeiterin in einer freien Tanzschule.

Vom Vater erhielt sie das Arbeitsgebiet Guben übertragen und führt dort an zwei Tagen in der Woche Tanzkurse durch.

Verwaltung der Tanzschule

Die Möglichkeit des eigenen Saales und die Tätigkeiten in weiteren Orten führten dazu, dass die Tanzschule personell erweitert werden musste. So wurde 1998 für die routinemäßige Büroarbeit, später auch für die Planung und Verwaltung Daniel Schwieg eingestellt und zum Kaufmann für Bürokommunikation ausgebildet. Er war uns lange Zeit eine große Stütze in der Verwaltung, absolvierte später ein Studium zum Betriebswirt und verließ unsere Tanzschule Ende Januar 2008.

Das Büro musste nun neu besetzt werden. So meldete sich unter anderen eine nette Frau, die im Super-Goldstarbeich im Club der Tanzschule tanzt, also den Betrieb und das Angebot aus eigener Erfahrung kennt: Anke Stephan. Sie erhielt den Zuschlag und arbeitet seit 1. Februar 2008 im Büro der Tanzschule mit großem Elan.

Die weitere Entwicklung zum mittelständischen Betrieb

Beim Unterricht in Forst entdeckte Conny eine talentierte Tänzerin mit starken Ambitionen zum modernen Tanz, Karina Malke. Sie erhielt eine Ausbildung zum Instruktor für DANCE 4 FANS und entschied sich später für eine Ausbildung zur ADTV-Tanzlehrerin. Bei den Jugendlichen im bestehenden Jugendtanzclub sprach sich schnell herum, dass die Tanzschule ausbilden will. So entschieden sich sehr schnell zwei junge Herren, die eine Ausbildung in einem anderen Beruf abgeschlossen hatten, diesen aber nicht mehr ausüben wollten, sich um die Ausbildung zum ADTV-Tanzlehrer zu bewerben.

Nach langer Überlegung wurden am 01. September 2001 drei Azubis eingestellt und mit bestem Erfolg ausgebildet. Die praktische Ausbildung übernahm Conny, die theoretische Ausbildung erfolgte bei der Tanzschule Graf in Dresden.

Es waren Karina Malke, Daniel Kara und Ronny Stellmacher, die alle nach drei bzw. vier Jahren als Jahrgangsbeste ihre Prüfungen zum ADTV-Tanzlehrer bestanden. Alle Drei wurden in die Tanzschule als angestellte Tanzlehrer übernommen.

Zwischenzeitlich hat sich jeder auf eine Richtung spezialisiert:

Karina Malke ist Instruktorin für D4F, Agilando und Bodyfit-Dancing, arbeitet mit Kindern und betreut eine Showtanz Gruppe mit großem Erfolg. Sie unterrichtet auch Tango argentino.

Daniel Kara hat die Trainer-C-Lizenz im Turniertanz erworben, erarbeitet mit dem Jugendclub und dem TC 91 Formationen und ist ebenfalls Instruktor für Agilando und Bodyfit-Dancing.

Ronny Stellmacher ist Spezialist für Diskofox und ebenfalls Instruktor für Agilando und Bodyfi-Dancing.

Um weitere Kapazitäten zu schaffen wurde seit ca. 2 Jahren ein weiterer Azubi gesucht. Ein junger Tänzer aus dem Jugendclub, Oliver Stephan, der zuvor als Trainer im Sport mit Kindern tätig war, entschied sich sehr kurzfristig für eine Berufsaubildung zum ADTV Tanzlehrer. Da der Kindertanz in der Tanzschule wieder gefördert werden soll, wollen wir diese Eigenschaft mit Kindern zu arbeiten, nutzen und haben ihn ab 01. Oktober 2009 als Azubi eingestellt. Seine theoretische Ausbildung erfolgt wie bei den o.a. Kollegen in Dresden bei der Tanzschule Graf. Seine Spezialstrecke wird also Kindertanz und Boogie–Rock'n'Roll sein.

Hier sei noch vermerkt, dass frühere Mitglieder unseres Jugendclubs so „tanzinfiziert“ sind, dass sie ebenfalls eine Berufsausbildung zum ADTV-Tanzlehrer absolviert haben und in diesem Beruf erfolgreich tätig sind. Martin Lehmann hat sich in Potsdam etabliert, Stephan Schlosser hat eine Tanzschule in der Nähe von Nürnberg und Katja Zukunft ist in München tätig.